Einzelcoaching

Coaching ist mittlerweile ein bewährtes und etabliertes Instrument der Personalentwicklung. Viele Unternehmen bieten Coaching längst nicht nur ihren Top-Management an, sondern auch anderen Führungs- und Fachkräften. Eingeleitet durch den Arbeitskräftemangel und verstärkt durch Phänomene wie die Purpose- und Nachhaltigkeitsbewegung, verabschieden sich Organisationen nach und nach von ihrem Ansatz „Wir coachen ein Defizit weg“ (ein Ansatz, der uns Coaches leider allzu vertraut ist). Coaching ist heute deutlich positiv und potenzialorientiert besetzt – was die Akzeptanz auf allen Seiten erheblich erhöht und auch den Prozess spürbar verbessert. 

Symbofoto Leadership Coaching Business Coaching

Business Coaching vs. Life Coaching

Wenn wir von Einzelcoaching sprechen, unterschieden wir grundätzlich zwischen Life Coaching und Business Coaching. Während das Life Coaching den Schwerpunkt – wie der Name schon sagt – auf Lebensereignisse und Lebensbewältigung legt, dreht es sich beim Business Coaching um die Potenziale und Kompetenzen im Arbeitskontext, beispielsweise Selbstführung, Stressverarbeitung, Führung von Mitarbeitern, Konfliktmanagement, aber auch psychologische Themen im engeren Sinne wie das Überprüfen von Glaubenssätzen, mentalen Mustern oder das Erlernen eines flexiblen, situativ angepassten Verhaltens. Selbstverständlich kommt es in der Praxis immer wieder zu thematischen Überschneidungen zwischen Life Coaching und Business Coaching; dennoch sollte auf allen Seiten das gleiche Verständnis über Inhalt und Abgrenzung der beiden Spielarten von Coaching herrschen. 

Zu einer professionellen Handhabung von Coaching in Organisationen gehört übrigens auch die Selbstprüfung des Coaches. So darf man zum Beispiel Coaching (egal ob Life Coaching oder Business Coaching) nicht mit Psychotherapie verwechseln: In der Psychotherapie liegt die Verantwortung für den Prozess beim Therapeuten; im Coaching verbleibt die letztnedliche Handlungsverantwortung beim Coachee. Sollten sich innerhalb eines Coachings Anzeichen für eine ernsthafte psychische Störung zeigen, ist ein guter Coach in der Lage diese zu erkennen und verpflichtet, eine Grenze zu ziehen, dem Coachee seine Wahrnehmung transparent zu machen und den Auftrag unter Umständen abzugeben. 

Merkmale von Coaching

Systemische Sichtweise

Im Mittelpunkt der Coaching-Arbeit stehen der Klient und sein Beziehungssystem. Systemische Sichtweisen sind bemüht, die Probleme von Menschen im Kontext ihrer biographisch bedingten Entwicklung sowie sozialen Vernetzung in ihrem privaten, beruflichen und gesellschaftlichen Umfeld zu verstehen. Zirkularität bedeutet in diesem Kontext: In komplexen, sozialen Prozessen – wie zum Beispiel bei der Zusammenarbeit in Unternehmen – kann zwischen Ursache und Wirkung nicht klar unterschieden werden, denn jedes Verhalten einer Person wirkt auf das der relevanten Mitglieder ihrer Umwelt, und deren Reaktionen wiederum auf die Person zurück.

Zirkularität negiert somit eine lineare Kausalität, die Voraussetzung für das Identifizieren von Verursachern ist. Folglich geht es beim Coachen nie um die Suche nach Schuldigen beziehungsweise den Auslösern einer Situation, weil alles mit allem verbunden ist. Vielmehr ist das Veranschaulichen und Verändern von Kommunikations-, Wahrnehmungs- und Interpretationsstrukturen ein wesentliches Ziel system-orientierter Modelle.

Neutralität

Neutralität ist eine wichtige Haltung von Coachs. Sie beinhaltet eine gelassene Neugier gegenüber allen Sichtweisen, Erklärungen und Werten – und seien sie dem Coach noch so fremd. Neutralität zeigt sich auch in der Allparteilichkeit, also im Bestreben, alle Mitglieder des Systems aus ihrer Perspektive heraus zu verstehen und ihre Sichtweisen wertzuschätzen. Zuweilen ist es sinnvoll, als Coach auch gegenüber Problemen und dem Wunsch nach Veränderung neutral zu sein. Fragen, die eine entsprechende Neutralität signalisieren, sind unter anderem: Wie würde Herr/Frau X das beschreiben? Was spricht dafür, alles so zu belassen, wie es ist?

Grundhaltung des Nicht-Wissens

Hiermit ist nicht gemeint, dass Coachs so tun, als wüssten sie nichts. Vielmehr bezieht sich diese Grundhaltung auf die Art des Umgangs mit ihrem Wissen. Coachs formulieren und artikulieren Hypothesen nicht aus der überlegenen Haltung eines Experten heraus, der mehr als der Klient weiß, sondern aus der bescheidenen Haltung des Nicht-Wissens. Hintergrund: Coachs wissen nicht, was das Beste für ihre Gesprächspartner ist. Das müssen diese selbst entdecken.

Außerdem kennen oder erahnen Coachs aufgrund ihrer Erfahrung zwar mögliche Lösungen des Problems. Sie wissen jedoch nicht, was die beste Lösung für ihren Klienten ist – schließlich sind Coachs keine Rezeptgeber oder Lösungslieferanten, sondern vielmehr Befähiger und Ermöglicher.

Wertschätzung

Ein systemisches Coaching setzt Respekt und Wertschätzung für den Klienten als Person voraus. Diese Haltung ist die Basis für eine fruchtbare Zusammenarbeit. Die nötigen Impulse zur Veränderung hingegen können in einigen Fällen durch die Respektlosigkeit des Coachs dem Problem des Klienten und seinen Symptomen gegenüber kommen. In vielen Fällen ist das sogar notwendig.

Dies ist jedoch nur möglich, wenn die Beziehung zwischen Coach und Klient für den Klienten erkennbar und erfahrbar von Respekt und Wertschätzung geprägt ist. Sonst besteht die Gefahr, dass der Klient die Respektlosigkeit gegenüber seinem Problem als Ausdruck mangelnder Wertschätzung seiner Person interpretiert.

Ressourcenorientierung

Beim systemischen Coaching erfolgt eine Fokusverschiebung vom Individuum hin zum Kontext der Problementstehung. Eine Kernfrage lautet: Wer ist an der Problemerzeugung und am Aufrechterhalten des Problems beteiligt? Lösungsorientierung bedeutet: Der Fokus wird vom Problemsystem zum Lösungssystem verlagert: Wer (und was) ist wichtig für die Lösung des Problems?

Ressourcenorientierung bedeutet: Coachs gehen davon aus, dass ihre Klienten die erforderlichen Möglichkeiten und Potenziale haben, ihre Probleme selbst – oder mit selbst organisierter Unterstützung – zu lösen. Doch es gibt Ausnahmen, weshalb ein weiteres wesentliches Coaching-Prinzip lautet: einen Unterschied machen, der einen wirklichen Unterschied macht. Für Coachs heißt das: Sie sollten sich in Klienten-Gesprächen zum Beispiel fragen, ob es zielführend ist, den Blick vor allem auf die Ressourcen zu richten oder lieber das reale Problem zu analysieren und zu bearbeiten?

Orientierung am Klienten

Ein zentrales Element des Coachings ist deshalb die Klärung der Aufträge der Klienten. Diese werden so weit operationalisiert, dass möglichst allen Beteiligten klar wird, wie die Zielerreichung aussieht und woran man sie erkennt. Ob und wann das Ziel erreicht ist, entscheidet jedoch der Klient. Er ist der Experte in Bezug auf die Inhalte der Beratung, denn nur er kennt seine Probleme. Folglich ist er auch der Experte für seine Lösungen – der Coach hingegen ist nur der Experte für den Prozess.

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